Welche Farben bevorzugen Menschen mit geringem Selbstwertgefühl und welchen Einfluss haben sie auf die Psyche?

Wer kennt das nicht? Etwa 60 Prozent der Menschen mit weniger ausgeprägtem Selbstwertgefühl tendieren dazu, im Alltag eher gedeckte oder kühle Farben zu wählen. Zufall? Wohl kaum. Denn laut Farbpsychologie spiegeln Farbtöne oft tiefere emotionale Zustände wider. Wer sich unsicher fühlt, greift gerne zu dunklen oder neutralen Nuancen – weil sie weniger auffallen und sozusagen als sichere Wahl gelten.

Interessant: Studien belegen, dass Farben wie Grau und Dunkelblau bei Menschen mit innerer Unsicherheit deutlich häufiger auftauchen als bei selbstsicheren Personen. Diese Farbtöne senden stillschweigende Signale aus, die oft auf eine gewisse emotionale Verletzlichkeit hindeuten. Menschen, die solche Farben mögen, drücken damit – oft unbewusst – den Wunsch nach Schutz und Distanz aus.

Grau etwa steht häufig für eine Mischung aus Apathie und Vorsicht, verbunden mit dem Bedürfnis, sich zurückzuziehen und Konflikte zu meiden. Schwarz wiederum symbolisiert Zurückhaltung und das Bedürfnis nach Kontrolle über die eigene öffentliche Präsenz. Dunkelblau strahlt Melancholie aus und zeigt den Wunsch nach Stabilität gerade in unsicheren Zeiten. Braun wird oft mit Gewohnheit assoziiert – man hält an Vertrautem fest, um ein Gefühl von Sicherheit zu erhalten.

Wie Farben unseren Alltag und das Familienleben beeinflussen

Innenarchitekten und Therapeuten sind sich einig: Farbe spielt eine große Rolle für das Wohlbefinden zu Hause. Räume, die von dunklen Tönen wie Grau oder Schwarz geprägt sind, lassen das natürliche Licht um bis zu 25 Prozent weniger wirken. Und das hat – wie Studien zeigen – einen spürbar negativen Effekt auf die Stimmung der Menschen.

In vielen urbanen Wohnungen entgeht der Einfluss warmer Farben auf Gemeinschaftsräume oft dem Blick. Trotzdem können schon sanfte Gelb- oder Orangetöne in Küche oder Wohnzimmer die Kommunikation anregen und verhindern, dass man sich emotional isoliert fühlt. Solche kleinen Anpassungen verändern wirklich die Atmosphäre – und oft auch das Verhalten der Bewohner spürbar.

Welche Farben bevorzugen Menschen mit geringem Selbstwertgefühl und welchen Einfluss haben sie auf die Psyche?
Un uomo nasconde il volto con uno specchio di fronte a una donna. Si riflette la tendenza a celarsi di chi ha bassa autostima. – kochrezepte-ideen.de

Übrigens: Vergleichsstudien schlagen eine klare Brücke zwischen Farbpräferenzen und Selbstwertgefühl. Wer selbstbewusst ist, bevorzugt tendenziell lebendigere Farben wie Gelb und Grün. Menschen mit geringem Selbstwertgefühl neigen dagegen zu dunklen oder neutralen Tönen. Dieses Muster findet man, zum Beispiel, in vielen großen europäischen Städten.

Farbe wechseln – ändert sich auch die Perspektive?

Ein Ansatz aus der Verhaltenspsychologie besagt, dass längere Aufenthalte in helleren Räumen das Selbstwertgefühl tatsächlich stärken können. In einer Studie mit rund 180 Teilnehmern stieg der Selbstwert nach sechs Wochen in hell gestalteten Umgebungen im Durchschnitt um etwa 15 Prozent. Der Zusammenhang zwischen äußerer Umgebung und innerer Haltung ist also enger, als man denkt.

Schon kleine Entscheidungen im Alltag wirken: Pastellfarbene Kleidung oder ein paar rote Akzente am Arbeitsplatz stimulieren das Unterbewusstsein positiv. Solche Impulse helfen, Zuverlässigkeit und Mut im Kopf zu festigen.

Allerdings: Experten raten davon ab, plötzliche Farbwechsel als Alarmzeichen falsch zu interpretieren. Ein kurzer Ausflug zu dunklen Farben findet sich in manchen Lebensphasen – vorübergehend, nur. Wenn das aber länger andauert, raten Psychologen, Pädagogen und Ärzte zur engen Zusammenarbeit. So können belastende Situationen früh erkannt – und bewältigt – werden.

Im Spannungsfeld zwischen Mode und mentaler Gesundheit reagieren viele Bekleidungsmarken gerade nach Krisen mit beruhigenden Farbschemata auf das kollektive Bedürfnis nach Sicherheit. Gleichzeitig gibt es Kampagnen, die lebhafte Farben als vorbeugende Maßnahme gegen Stimmungsschwankungen fördern. Ob man sich dem Trend anpasst – oder bewusst mit Farbkontrasten spielt –, bleibt eine offene Frage, die zuhause oft heiß diskutiert wird.